Vogtland-Theater: Ein besonderes Fest der Stimmen

Freie Presse - Plauener Zeitung (21.10.2009)

Der Dortmunder Kammerchor und die Singakademie Plauen gestalten bewegendes Konzert - Gelungener Abend befördert Musikstolz

Dortmunder Kammerchor und die Singakademie Plauen gestalten bewegendes Konzert
Dortmunder Kammerchor und die Singakademie Plauen gestalten bewegendes Konzert
Foto: Ellen Liebner

Beim Chorkonzert am Sonntag im Vogtland-Theater traten die Singakademie Plauen und der Dortmunder Kammerchor (im Foto sitzend) auf.

Plauen.  - Man sollte ab und an ins Vogtland-Theater gehen. Gerade in diesen nicht leichten Zeiten. Das traditionelle besondere Chorkonzert am Sonntag etwa bot mehr als schöne Musik. Der Abend war auch etwas fürs Auge. Auf der Bühne sangen im Wechsel zwei Chöre. Doch entgegen einer durchaus üblichen Verfahrensweise traten die pausierenden Sängerinnen und Sänger nicht ab, sondern hörten zu und applaudierten. Diese Bilder des Staunens und der Freude über die Leistung der anderen bekam der Besucher mit und manche Träne rollte dabei. Denn da oben standen der Dortmunder Kammerchor und die Plauener Singakademie. Und manches Lied, was da erklang, wurde gerade in der Zeit der deutschen Teilung hüben wie drüben gesungen und hat wohl mehr als die flammenden Sonntagsreden der Politiker das Gefühl der Gemeinsamkeit aufrechterhalten.

Der Abend war auch geeignet, Plauener Musikstolz zu befördern. Der 1946 gegründete Dortmunder Kammerchor gehört zu den besten Laienensembles von Nordrhein-Westfalen. Die aus je zehn Frauen und Männern bestehende „Abordnung”, die auf ihrer Sachsen Thüringen-Tournee im Vogtland Station machte, unterstrich das dick. Da wurde bei Joseph Haydns „Die Himmel erzählen” packende Chorsinfonik demonstriert, bei Jürgen Golles „Liebeslied” blitzsauber heikle Akkorde gemeistert und auch, was die Gäste im „populären” Fach zeigten, war eine Wucht. Da hat man bei einer swingenden Volksliederfolge nicht einfach nur den anderen Rhythmus untergelegt, sondern die Melodien auch stilgerecht umgestaltet. Und schließlich hatte man bei John Miles „Music was my first love” mit Martin Grobe einen Tenor, der die mit Falsetttönen gespickte Partie schultert, ohne ein Mikrofon zu brauchen.

Was die mit rund 60 Sängerinnen und Sängern besetzte Singakademie zeigte, war absolut ebenbürtig und dürfte manchen Zuhörer überrascht haben, der den Chor vor allem von großen Aufführungen mit Orchester her kennt. Am Sonntag konnte das Ensemble die ganze Breite seines Repertoires zeigen und ging beglückend aus sich heraus. Da strömte Mendelssohns „O Täler weit, o Höhen” dahin, als seien die Gesetze der Schwerkraft abgeschafft, entfaltete man bei Proben aus „Carmina burana” eine elektrisierende Dynamik oder stellte eine erfrischend moderne Version des Beatles-Hits „Yesterday” vor - um nur einiges zu nennen. Schließlich gab der Abend Gelegenheit, zwei unterschiedliche Chorleiter zu bewundern. Die Dortmunderin Margitta Grunwald dirigiert rund und einfühlsam, wobei das Energische keinesfalls zu kurz kommt. Bei Generalmusikdirektor Eckehard Rösler, der 1981 die Plauener Singakademie gründete, ist diese Seite ein wenig mehr ausgeprägt. Sein Dirigat hat Ecken und Kanten, hat etwas unbedingt Mobilisierendes. Beide Wege führen zum gleichen wohl klingenden und bewegenden Ziel. Ihren Anteil an dem gelungenen Abend hatten auch Herbert Grunwald (Klavier/Moderation). Wolfgang Fischer (Moderation) und Carl Philipp Fromherz (Klavier).

von Volker Müller

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