"Totenmesse zu Ehren der Markgräfin"

Nordbayerischer Kurier (24.11.2008)
Messa da Reqiuem (Verdi) in der Bayreuther Stadthalle
Messa da Reqiuem (Verdi) in der Bayreuther Stadthalle

BAYREUTH. - Der Markgräfin Wilhelmine widmete der Philharmonische Chor Bayreuth zum 250. Todesjahr die Aufführung des “Requiems” von Giuseppe Verdi am vergangenen Sonntag. Aus diesem Anlass war das Vokalensemble um zahlreiche weitere Sängerinnen und Sänger verstärkt worden: ...

Der Markgräfin Wilhelmine widmete der Philharmonische Chor Bayreuth zum 250. Todesjahr die Aufführung des “Requiems” von Giuseppe Verdi am vergangenen Sonntag. Aus diesem Anlass war das Vokalensemble um zahlreiche weitere Sängerinnen und Sänger verstärkt worden: Um Mitglieder des Chores der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik Bayreuth, des Zamirchores Bayreuth, des Ensembles “Belcanto Vocale” Waischenfeld, der Singakademie Plauen sowie Mitglieder verschiedener Bayreuther Kantoreien. Die Hofer Symphoniker waren als Orchester zu hören. Als Solisten des von Arn Goerke geleiteten Konzerts konnte man Arpiné Rahdijan (Sopran), Hermine May (Mezzosopran), Daniel Magdal (Tenor) und Renatus Mészar (Bass) erleben.
Verdis “Requiem” gehört neben Mozarts Werk der gleichen Gattung zu den populärsten Totenmessen und neben Beethovens “Missa Solemnis” zu den berühmtesten geistlichen Chorwerken des 19. Jahrhunderts. Dass diese Komposition vielfach mehr als Schreckensoper über das Strafgericht nach dem Tod denn als Trauermusik empfunden wird, beruht darauf, dass hier gerade das “Dies Irae” der ausgedehnteste und wirkungsvollste Teil des Werkes ist und auch kurz vor Schluss noch einmal zitiert wird. Doch die “Dies Irae”-Stimmung behält nicht das letzte Wort. Während das abschließende “Libera me” noch in der wilden Moll-Stimmung des “Dies Irae” beginnt, stehen die letzten Terzen des Sopran-Solos und der Orchester-Bläser in Dur und symbolisieren somit das Eintreten der Seele in die ewige Glückseligkeit.

Großartige Aufführung

Die musikalischen Anforderungen des “Verdi-Requiems” entsprechen denjenigen der großen Opern des italienischen Meisters. Den Interpreten des Bayreuther Konzerts gelang eine großartige Aufführung. Die Solisten zeigten deutlich, dass sie mit Recht zu renommierten Opernstars zählen. Sie kamen in den melancholischen Kantilenen des Werkes, insbesondere in der “Dies Irae”-Sequenz, des Offertoriums oder des Communio sehr gut zur Geltung. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Sopranistin Arpin&eacut; Rahdijan aufgrund ihrer vokalen Dominanz im abschließenden “Libera me”. Lediglich beim Erreichen ihres die Dur-Terz der Auferstehungshoffnung markierenden Spitzentons hatte sie ein wenig Mühe. Die männlichen Solisten haben allenfalls am Beginn des ersten Teils des Requiems etwas zu viel Gebrauch vom Vibrato gemacht. Die Leistung des Chores war grandios - zumal, wenn man bedenkt, dass das Vokalensemble mit Sängerinnen und Sängern aus sehr unterschiedlichen Chören unterstützt und verstärkt wurde. Einzig zu Beginn der “Dies Irae”-Sequenz gingen die Gesangsparts etwas unter. Hier freilich mussten die Choristen gegen sehr laute Orchesterschläge ansingen.
Wie immer waren die Hofer Symphoniker ein vorbildliches Orchester. Instrumentale Unsauberkeiten konnte man nirgends vernehmen. Grandios kamen sowohl die harten Schläge des “Dies Irae” als auch die flirrenden, lichtdurchfluteten Geigen-Tremoli im “Lux Aeterna” oder die erlösenden Bläser-Akkorde am Ende des “Libera me” zum Tragen.
Am Sonntag waren wir Zeugen einer hervorragenden Aufführung eines der berühmtesten geistlichen Werke des 19. Jahrhunderts. Das Publikum in der gut besuchten Stadthalle bedankte sich mit frenetischem, lang anhaltendem Applaus. Hätte die Markgräfin Wilhelmine, die zu ihrer Zeit die große Musik nach Bayreuth brachte, die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts verfolgen können - die Darbietung von Giuseppe Verdis “Requiem” in ihrer Reithalle (denn das war die heutige Stadthalle zur Markgrafenzeit) hätte ihr gewiss große Freude gemacht.

von Sönke Remmert

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