Paul Potts und Leipzigs Philharmonie begeistern

Freie Presse - Plauener Zeitung (21.06.2015)

Großes Ohrenkino in Plauen - Italienische Klassik sorgt für Jubel

Paul Potts
Paul Potts
Foto: Ellen Liebner

Plauen. - Was haben die drei Weltklasse-Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras mit dem Briten Paul Potts gemeinsam? Ganz einfach: Alle standen bereits in einem Fußballstadion und sangen Opern-Arien bei der Eröffnung eines wichtigen Events um das runde Leder. Damit rührten sie hart gesottene Fans zu Tränen und machten klassische Musik ein Stück populärer. Doch nur einer der vier Herren, nämlich der 44-jährige Potts, kann von sich behaupten, wirklich volksnah zu sein. Schließlich kommt er aus dem Volk - bis 2007 war er Handyverkäufer. Würde man dem sehr kleinen, ziemlich kompakten Sänger auf der Straße begegnen, fiele einem womöglich auf, wie er x-beinig vorwärts schaukelt. Ansonsten liefe man an ihm einfach vorbei. Erhebt er freilich die Stimme, so wie am Freitagabend während der zweistündigen italienischen Opernnacht im Plauener Parktheater, beeindruckt Potts zutiefst. Resultat: frenetischer Beifall.

Für den unvergesslichen Abend sorgte jedoch nicht nur der ehemalige Gewinner der Talentshow „Britisch Idol” selbst. Er hatte kongeniale musikalische Mitstreiter auf der B6ühne: Die Leipziger Philharmonie unter Leitung von Michael Köhler, der auch die Stücke der Plauener Singakademie einstudiert hatte, und natürlich die spanische Sopranistin und Verdi-Interpretin Laura Alonso (39). Sie feierte aktuell zum Beispiel in Mailand, den USA sowie in China Erfolge mit „La Traviata”. Dass Alonso eine umfassende klassische Gesangsausbildung genossen hat, spiegelt jeder ihrer Töne und demonstriert jede ihrer anmutigen Gesten. Vielleicht war sie, was das Können anbelangt, sogar der eigentliche Star des Abends.

Der König der Herzen wiederum war zweifellos der Sänger Paul Potts. Wegen ihm waren sicher die meisten der Zuschauer in die nicht komplett ausverkaufte Spielstätte im Plauener Stadtpark gepilgert. Und obwohl über den kometenhaften Aufstieg des nicht im eigentlichen Sinne schönen Mannes ein biografischer Film gedreht worden ist („One Chance - Einmal im Leben”, 2013), obwohl seine Alben mit Platin dekoriert sind, ist Potts auf dem Boden geblieben. „Ich bin der Letzte der behauptet, ich habe die allergrößte Stimme”, sagte der in Bristol geborene Künstler einst.

Mit der Arie „Nessum Dorma” aus der Puccini-Oper „Turandot” wurde Potts bekannt. Es war sein Gesangsbeitrag, als er im Jahr 2007 vor die kritischen Augen und vor allem Ohren der Casting-Jury trat und schließlich gewann: Ein Traum wurde für ihn wahr, und die Fernsehzuschauer fieberten mit. „Nessum Dorma” wird noch immer millionenfach im Netz geklickt, ist für Klassik-Neulinge die „Einstiegsdroge”.

Dass der mittlerweile im Show-Business erfahrene Potts überhaupt im Vogtland gastiert hat, dafür machte sich Michael Köhler, Chefdirigent der Leipziger Philharmonie, stark. Zwei Jahre hatten die Verhandlungen mit Potts Agenturen in London gedauert. Auch der Sänger zeigte sich nach der Veranstaltung begeistert. Im sozialen Netzwerk Facebook schrieb er: „Fantastic show in Plauen with the fabulous Leipzig Philharmonics.”

von Sabine Schott, erschienen am 21.06.2015

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