Oratorium eröffnet ungewohnte Klangwelt

Freie Presse - Plauener Zeitung (06.12.2011)

Drei Ensembles und sieben Solisten haben am Sonntag in Bad Elster das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns aufgeführt. 150 Besucher erlebte eine kollektive Meisterleistung.

Weihnachtsoratorium Bad Elster
Weihnachtsoratorium Bad Elster
Foto: Harald Sulski

Das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns erklang am Sonntag in der Trinitatiskirche Bad Elster. Ausführende waren der Kirchenchor Bad Elster und die Singeakademie Plauen zusammen mit der Chursächsischen Philharmonie Bad Elster unter Leitung von Generalmusikdirektor Eckhard Rösler, des Weiteren verschiedene Solisten.

BAD ELSTER/PLAUEN – Wer in der Adventszeit Konzert, Kirche und Weihnachtsoratorium sagt, muss nicht gleichzeitig und immer Johann Sebastian Bach damit meinen. So wie am Sonntag, als in der Trinitatiskirche Bad Elster das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) aufgeführt wurde.

Es war ein großartiges Konzert, das die rund 150 Besucher erlebten. Und es war ein großes Konzert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Eckehard Rösler aus Plauen, allein gemessen an der Zahl der Mitwirkenden: der Kirchenchor der Kantorei Bad Elster, die Singakademie Plauen und die Chursächsische Philharmonie. Dazu traten Ulrike Staude (Sopran, Dresden), Jana Frey (Mezzosopran, Dresden), Kerstin Grötzschel (Alt, Moritzburg), Reinaldo Dopp (Tenor, Halle), Jörg Hempel (Bariton, Dresden), Galina Nikitenko (Harfe, Zwickau) und Ralf Schädlich (Orgel, Auerbach) als Solisten auf. Auf das Weihnachtsoratorium eingestimmt wurden die Besucher unter anderem mit Bachs Präludium und Fuge G-Dur und Händels „Tochter Zion” - ein Lied, das wegen seiner emotionalen Tiefe zu den schönsten Melodien in der Weihnachtszeit zählt.

Wenngleich das Konzert auch von der Welt entrückt zu sein schien, war es dies eben doch nicht. Just in dem Augenblick, als der Chor Homilius' Psalm „Herrgott, sei Schutz und Hilfe uns!” zu singen begann, donnerte draußen vor der Kirche mit gellender Sirene die Bad Elsteraner Feuerwehr vorbei. Was in gewisser Weise einen Satz von Camille Saint-Saëns bestätigte: „Es gibt keine religiöse Kunst im eigentlichen Sinn, die eindeutig von der weltlichen Kunst unterschieden werden könnte.” Saint-Saëns Weihnachtsoratorium kann sich sicher nicht mit den großen, klanglich opulenten und kraftvollen Oratorien von Bach oder Händel messen lassen, die bekannter sind und deshalb zur Adventszeit mehr gespielt und gesungen werden. Die Geschichte der Geburt von Jesus Christus wurde von Saint-Saëns eher sanft und zurückhaltend in Töne gesetzt. Was aber emotionale Tiefe nicht ausschließt, zumal es immer darauf ankommt, wie sich die Zuhörer auf die Musik einlassen und ihr Eingang ins Herz gewähren. Wie sehr das am Sonntag in der Trinitatiskirche zutraf, lag vor allem an einer kollektiven Meisterleistung aller Mitwirkenden, wobei die Solisten am Ende noch ein Quäntchen mehr Beifall bekamen.

von Eckhard Sommer

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