Neunte Sinfonie klingt frisch und neu

Freie Presse - Plauener Zeitung (29.12.2009)

Tobias Engeli dirigiert im Vogtland-Theater Plauen erstmals Ludwig van Beethovens Monumentalwerk - Konzert fast ausverkauft

Tobias Engeli dirigiert IX. Sinfonie
Tobias Engeli dirigiert IX. Sinfonie
Foto: Ellen Liebner

Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 mit Schillers „Ode an die Freude” erklang am Sonntagabend im Plauener Vogtland-Theater. Es musizierten das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau, der Opernchor des Theaters Plauen-Zwickau sowie die beiden Singakademien. Hinzu kamen vier Solisten. Das Konzert dirigierte erstmals Tobias Engeli, der Erste Kapellmeister am Theater Plauen-Zwickau.

Plauen.  - Dass es mit dem Dirigieren eigentlich erst in der Mitte des Lebens so richtig klappt - die Weisheit hatte Sonntagabend im Plauener Vogtland Theater einen schweren Stand. Beim Konzert zum Jahreswechsel erklang vor fast ausverkauftem Haus traditionsgemäß Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d Moll op. 125 mit Schillers „Ode an die Freude”. Tobias Engeli, der Erste Kapellmeister am Theater Plauen-Zwickau, dirigierte das weit über eine Stunde dauernde, äußerst vielschichtige Werk zum ersten Mal. Dabei lag die dicke Partitur nur als Glücksbringer auf dem Pult. Hinein schaute der 35 Jahre junge Schweizer nicht.

Es wäre auch schlecht gegangen bei seiner offensiven, die Mitwirkenden keinen Moment aus den Augen lassenden Art des Dirigierens. Es sah nicht alles gut aus, schien manchmal sogar dem Puls der Musik zu widersprechen, was Engeli machte. Während die rechte Hand forsch die Tempi angab, malte die Linke auf die großzügigste Weise aus, wie es klingen sollte. Dieser permanent Unruhe verströmende, mobilisierende Dirigierstil zeigte bei den instrumentalen Sätzen 1 bis 3 denkbar erfreuliche Ergebnisse. Die Musik hatte stets zwingenden Fluss und entfaltete einen schier unglaublichen Reichtum an Farben, Emotionen und Kontrasten. Alles klang frisch und neu und selbst das arg zerklüftete Scherzo schien in dieser Interpretation keinerlei Längen zu haben.

Beim vierten Satz, wo der Opernchor, die beiden Singakademien und vier Solisten hinzukamen, wäre ein Stück mehr Ruhe und Besonnenheit vom Pult aus wünschenswert gewesen. Da geriet mancher abrupt komponierte Übergang doch etwas nervös oder kamen nicht alle gleich mit, wenn das Tempo anzog. Alles in allem jedoch - zumal bei den choralen Höepunkten eine gute Textverständlichkeit gegeben war - darf auch das Finale im Sinne einer betont expressiven Beethoven Deutung als gelungen betrachtet werden. Während die Philharmoniker durchweg Hervorragendes leisteten, die von Eckehard Rösler und Stefan Müller bestens vorbereiteten Chöre kaum nachstanden, überzeugte bei den Solisten vor allem Kammersänger Matthias Henneberg von der Semperoper. Der Bass absolvierte sein großes Solo „O Freunde, nicht diese Töne!” souverän, drang auch sonst mit runder Stimme durch und beherrschte rhythmisch den nicht einfachen Part exzellent. Katrin Kapplusch (Sopran), Nathalie Senf (Alt) und Joan Ribalta (Tenor) konnten da nicht ganz mithalten.   Am Ende gab es langen, begeisterten Beifall.

von Volker Müller

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