Konzert zum Jahresende: Botschaft kommt an

Freie Presse - Plauener Zeitung (30.12.2015)

Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie im Theater - Kaum ein Platz bleibt frei

PLAUEN. - Nicht allein das Neue, Unerhörte lässt das Publikum strömen; auch das Bekannte, seit Jahrzehnten immer wieder Aufgeführte kann für ein volles Haus und Riesenbeifall sorgen. So war Sonntagabend, als im Plauener Vogtland-Theater beim Konzert zum Jahreswechsel traditionsgemäß Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie mit dem Schlusschor aus Friedrich Schillers „Ode an die Freude” geboten wurde, kaum noch ein Platz zu haben. Und nach der Aufführung des reichlich 70 Minuten in Anspruch nehmenden Werks durch das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau, die Singakademien der beiden Städte, den Opernchor und Solisten des Theaters wollte der Beifall kein Ende nehmen.

Zu hören war eine im besten Sinne ausgewogene Aufführung, die keinen Bogen um die explosive Dramatik von Beethovens sinfonischem Vermächtnis machte, allerdings auch ausgiebig das Leise, Poetische, anrührend Schöne der Partitur würdigte. Generalmusikdirektor Lutz de Veer am Pult strahlte immense Erfahrung und Sicherheit aus und vermied jegliche, seit geraumer Zeit in Mode gekommene Kraftakte in punkto Dynamik und Tempo. So blieb selbst in den Prestissimo-Passagen alles im Lot, ging weder etwas vom kunstvollen Bau noch der humanistischen Botschaft dieser Musik verloren. Dem Philharmonischen Orchester war sicher gelegentlich der absolvierte üppige Dezember-Dienstplan anzumerken. Alles in allem leistete der Klangkörper äußerst Ansprechendes, überzeugte vor allem mit diszipliniert aufgenommenen Rhythmen und sauberer Artikulation. Das gut 90-köpfige, von Chordirektor Friedemann Schulz ausgezeichnet vorbereitete Gesangsensemble entfaltete im Finalsatz fulminante Spannung, wusste sich in Sachen Ausdruck von Takt zu Takt noch zu steigern und beeindruckte auch durch gute Textverständlichkeit.

Mit Bariton Hinrich Horn war im Auftakt des Chorfinales „O Freunde, nicht diese Töne!” ein stimmkräftiger, gestalterisch alles in die Waagschale werfender Solist zu erleben. Auch seine Mitstreiter Sonja Westermann (Sopran), Johanna Brault (Mezzosopran) und Jason Kim (Tenor) präsentierten sich hoch motiviert. Man war bestens beisammen, fand etwa im Schlussquartett zu einer fast schon sprachlos machenden Harmonie.

von Volker Müller, erschienen am 30.12.2015

Zurück