“Auferstehung”: Wunder der Musik

Freie Presse - Plauener Zeitung (28.04.2009)

Unter Leitung von Georg Christoph Sandmann führten die Sänger und Musiker des Theaters Plauen-Zwickau sowie die Singakademien Plauen und Zwickau Mahlers zweiten Sinfonie In der Johanniskirche auf.

Aufführung Mahlers zweiter Sinfonie in der Johanniskirche
Aufführung Mahlers zweiter Sinfonie in der Johanniskirche
Foto: Helmut Schneider

Plauen. - Das sechste Sinfoniekonzert der Spielzeit, ein überwältigender Erfolg: Selten ist das Philharmonische Orchester des Theaters Plauen-Zwickau in solcher Intensität und Klangschönheit zu hören gewesen wie am Freitagabend in der Johanniskirche bei der Aufführung der Zweiten Sinfonie c-moll von Gustav Mahler. Kaum war der letzte Ton des gewaltigen, knapp zweistündigen Werkes unter dem Kreuzgewölbe verhallt, erhoben sich die etwa 500 Zuhörer von den Plätzen. Bravorufe und Applaus von der Länge eines kurzen Satzes der fünfgliedrigen Sinfonie folgten.

Für die mehr als 100 Sänger aus dem gesamten Vogtland und die Musiker unter Leitung von Generalmusikdirektor Georg Christoph Sandmann, für die Solisten Silke Richter (Mezzosopran) und Maria Gessler (Sopran) war die Aufführung der „Auferstehungssinfonie” in Plauens ältestem Gotteshaus die zweite Bewährungsprobe. Bereits am Abend zuvor hatten die Singakademien aus Plauen und Zwickau, der Opemchor des Theaters und die Musiker des Philharmonischen Orchesters im Zwickauer Konzerthaus „Neue Welt” begeistert.

Die besondere Atmosphäre und Akustik des Kirchenbaus, geweiht 1122, schenkten dem Konzert am Freitag einen eigenen Charakter. Mahler berichtet in seiner „Auferstehungssinfonie” von den letzten Dingen, Tod, Trauer, Verzweiflung, und von der Hoffnung auf das Danach, jenseits des irdischen Jammertals. Obwohl bereits im ersten Satz Dirigent Sandmann seine Musiker zu verblüffender Intensität trieb, blieb Mahlers Klangdickicht weiterhin durchscheinend. Anders als im warmtönenden Plauener Theaterhaus gewohnt, gab die kühle Akustik des Raumes auch die leiseren Töne rein wie Kristall wieder und brachte solistische Ausflüge der Musiker zur Geltung. Besonders profitierten in den letzten beiden Sätzen die Gesangssolistinnen. Silke Richter sang im vierten Satz das „Urlicht”, ein liedhaftes Stück über Hoffnung auf Erlösung, innig und bestimmt.

Auch die gewaltigen Dimensionen des Finales mit den Chorpartien, die zu Mahlers Zeit die Vorstellungen sprengten, überforderten nicht. „Mit höchster Kraftentfaltung”, hatte der Komponist bestimmt. „Auferstehen, ja auferstehen ...”, die Verse des Dichters Friedrich Klopstock wurden zum Gipfelpunkt des Werkes und des Abends. Musiker und Sänger steigerten die Wucht so sehr, dass die Intensität körperlich spürbar wurde. Das ließ kaum einen Zuhörer gleichgültig, wie der Applaus zeigte.

von Lutz Kirchner

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